Aspartam und Gesundheit: Forschungsergebnisse und Perspektiven zur Lebenserwartung

Aspartam wird seit Jahrzehnten als Süßstoff verwendet und steckt in vielen Produkten – von zuckerfreien Erfrischungsgetränken über Kaugummi bis zu Desserts. Für viele Menschen ist es eine gängige Zucker-Alternative, vor allem in Produkten, die für Gewichtsregulierung oder weniger Kalorien beworben werden. Gleichzeitig wird Aspartam seit Langem in der Wissenschaft diskutiert. Forscher untersuchen weiterhin Fragen zum Stoffwechsel, zur Blutzuckerregulation und zu möglichen langfristigen Gesundheitsfolgen.

In diesem Blog werfen wir einen genaueren Blick auf neue Forschungsergebnisse, die erklären sollen, wie Aspartam den Körper auf molekularer Ebene beeinflussen könnte – und warum das für die Herz-Kreislauf-Gesundheit von Bedeutung sein könnte.

Nahaufnahme von reinem Aspartam-Pulver, das als feines, weißes Kristallpulver auf neutralem Hintergrund zeigt und dessen zuckerähnliche Konsistenz sowie reine Form verdeutlicht, wie im Blogbeitrag über zuckerfreie künstliche Süßstoffe und Gesundheit beschrieben.

Was ist Aspartam?

Bevor wir loslegen, ist es sinnvoll, sich einmal genauer anzuschauen, was Aspartam eigentlich ist und warum es so weit verbreitet ist.

Aspartam ist ein kalorienarmer, sehr süßer künstlicher Süßstoff. Er ist etwa 200-mal süßer als Zucker, darum brauchst du nur wenig davon. In reiner Form ist er ein weißes, geruchloses Pulver.

In Europa ist Aspartam als Lebensmittelzusatzstoff zugelassen und muss auf Etiketten entweder namentlich oder mit seiner E-Nummer stehen, E 951. Es wird oft in zuckerfreien Erfrischungsgetränken, Kaugummi, fettarmen Joghurts und Desserts, zuckerfreien Süßigkeiten sowie in Tafelsüßstoffen verwendet – meist, um den Zucker- und Kaloriengehalt zu senken.

Aspartam ist nach einer Sicherheitsprüfung seit vielen Jahren zugelassen Bewertungen, und es wurde 2013 von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit umfassend neu bewertet.

Wusstest du schon?

Aspartam ist ein künstlicher, sehr süßer Süßstoff – Stevia ist dagegen ein aus der Natur gewonnener, sehr süßer Süßstoff.

Aspartam in aktuellen Forschungsergebnissen

Das Interesse an Aspartam ist nach neuen Erkenntnissen wieder gestiegen Forschung der Harvard-Professor und Longevity-Forscher Dr. David Sinclair öffentlich geteilt hat. In einem Beitrag auf X, er wies auf eine neue Studie hin, die zeigt, dass Aspartam mit Körperprozessen reagieren könnte, die mit Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung stehen.

Die Studie basiert eher auf Computermodellen als auf Experimenten an lebenden Organismen. Anhand von Simulationen gehen die Autoren von einer starken und stabilen Bindung zwischen Aspartam und PGC-1α, ein Regulator, der an der Muskelfunktion, Entzündungen und der Insulinsensitivität beteiligt ist. Die Forscher bezeichnen diese Erkenntnisse als Hypothesen, die in Labor- und Humanstudien noch weiter überprüft werden müssen.

PGC-1α erklärt

PGC-1α (Peroxisom-Proliferator-aktivierter Rezeptor-Gamma-Coaktivator 1-alpha) ist ein Protein, das eine zentrale Rolle im Energiestoffwechsel spielt. Es hilft dabei, die Energieproduktion in den Mitochondrien zu regulieren, und ist an der Muskelleistung, der Ausdauer, Entzündungsprozessen und der Insulinsensitivität beteiligt. Aufgrund seiner vielfältigen Rolle für die Stoffwechselgesundheit wird es häufig in der Longevity- und kardiometabolischen Forschung untersucht.

Was zeigen die wichtigsten Studien?

Um die neue Modellstudie in den richtigen Kontext zu setzen, verwies Sinclair außerdem auf zwei frühere Veröffentlichungen.

Die eine ist eine mechanistische Studie veröffentlicht in Zellstoffwechsel im Jahr 2025. Diese Studie untersuchte, wie die Aspartam-Aufnahme hormonelle und entzündliche Signalwege in Versuchsmodellen beeinflussen kann. Die Forscher beschreiben einen Ablauf, bei dem die Aspartam-Aufnahme die mit dem Süßgeschmack verbundenen Signalwege beeinflusst, die Insulinfreisetzung erhöht und zu Veränderungen in der Blutgefäßauskleidung führt. Ein Signalmolekül namens CX3CL1 spielt dabei eine zentrale Rolle, indem es Immunzellen an die Gefäßwand lockt. Als dieser Signalweg im Modell unterbrochen wurde, war der beobachtete Effekt auf die Plaquebildung nicht mehr vorhanden.

Diese Erkenntnisse stammen aus Tiermodellen und lassen sich nicht direkt auf den Menschen übertragen. Sie deuten jedoch auf biologisch plausible Mechanismen hin, die für die weitere Forschung relevant sein könnten.

Der zweite Studie ist eine große Beobachtungsstudie am Menschen, die in Das BMJ im Jahr 2022, basierend auf Daten der französischen NutriNet-Santé-Kohorte. Mehr als 100.000 Erwachsene gaben wiederholt Auskunft über ihre Ernährungsgewohnheiten, sodass die Forscher den Konsum von künstlichen Süßstoffen über einen längeren Zeitraum hinweg abschätzen konnten. Eine insgesamt höhere Aufnahme von künstlichen Süßstoffen war mit einem höheren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden. Die Analysen befassten sich auch mit bestimmten Süßstoffen, darunter Aspartam, und ergaben, dass die Zusammenhänge je nach Endpunkt variierten.

Wie bei allen Beobachtungsstudien lassen sich anhand dieser Ergebnisse keine Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge nachweisen. Lebensstilfaktoren, der zugrunde liegende Gesundheitszustand und die Gründe, warum Menschen sich überhaupt für Süßstoffe entscheiden, können die Ergebnisse beeinflussen.

CX3CL1 erklärt

CX3CL1 ist ein Signalstoff, den Zellen in der Gefäßwand bilden. Er lockt Immunzellen an und kann so zu örtlichen Entzündungen sowie zu Entzündungen und Allergien beitragen.

Was sagen die Behörden zu künstlichen Süßstoffen und Aspartam?

Nach den oben genannten Erkenntnissen – und der Art, wie “zuckerfrei” oft beworben wird – kann es helfen, einen Schritt zurückzutreten und zu schauen, was internationale Gesundheitsbehörden tatsächlich über Aspartam und zuckerfreie Süßstoffe sagen. Die Mitteilung der EFSA in Europa betont die Sicherheit innerhalb einer festgelegten Aufnahmemenge, während die Leitlinien der WHO aus dem Jahr 2023 prüfen, ob zuckerfreie Süßstoffe als Strategie im Bereich der öffentlichen Gesundheit zur Gewichtskontrolle und zur Verbesserung langfristiger Gesundheitsergebnisse eingesetzt werden sollten.

Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit – EFSA

Die EFSA Bewertung legt den Schwerpunkt auf Sicherheit. Aspartam gilt für die allgemeine Bevölkerung als unbedenklich, wenn es innerhalb der festgelegten zulässigen Tagesdosis (ADI) konsumiert wird, die auf 40 mg pro kg Körpergewicht pro Tag festgelegt ist. Das Fazit wurde nach der umfassenden Neubewertung von Aspartam durch die EFSA im Jahr 2013 erneut bestätigt.

Weltgesundheitsorganisation – WHO

Die WHO betrachtet das Thema aus der Perspektive der öffentlichen Gesundheit. Im Jahr 2023 veröffentlichte die WHO eine neue Leitlinie in der davon abgeraten wird, zuckerfreie Süßstoffe als Strategie zur Gewichtskontrolle oder zur Senkung des Risikos für ernährungsbedingte nichtübertragbare Krankheiten einzusetzen. Die Leitlinie basierte auf einer systematischen Rezension im Auftrag der WHO, in der die Erkenntnisse sowohl aus randomisierten Studien als auch aus Beobachtungsstudien untersucht wurden. Die Schlussfolgerung lautete, dass die Gesamtheit der Erkenntnisse keinen eindeutigen langfristigen Nutzen für das Gewicht oder die Gesundheitsergebnisse belegt.

Warum wird immer noch über künstliche Süßstoffe diskutiert?

Künstliche Süßstoffe werden oft als gesündere Alternative zu Zucker vermarktet, vor allem in Produkten, die als “zuckerfrei” oder “Zero” gekennzeichnet sind. Heute stecken sie in vielen Produkten im Supermarkt. So können sie Teil der normalen Ernährung von Erwachsenen und Kindern werden. Gleichzeitig sprechen die Behörden aus unterschiedlichen Blickwinkeln: Die EFSA prüft die Sicherheit innerhalb einer festgelegten Grenze. Diese Grenze ist so hoch, dass ein durchschnittlicher Erwachsener je nach Produkt und Körpergewicht etwa 15 bis 20 Dosen Diät-Limonade pro Tag trinken könnte. Die WHO prüft dagegen, ob der Einsatz zuckerfreier Süßstoffe aus langfristiger Sicht der öffentlichen Gesundheit dient. Neue Versuchs- und Beobachtungsstudien sowie Persönlichkeiten wie David Sinclair, die diese Erkenntnisse in die Debatte einbringen, zeigen, warum das Thema in Gesundheits- und Longevity-Kreisen weiter Fragen aufwirft und Diskussionen auslöst.

Was bedeutet der Grenzwert der EFSA in der Praxis?

Die von der EFSA festgelegte zulässige Tagesdosis (ADI) für Aspartam beträgt 40 mg pro kg Körpergewicht pro Tag.
Für einen Erwachsenen mit einem Gewicht von etwa 70 kg entspricht das ungefähr 2.800 mg pro Tag.

Eine normale 330-ml-Dose Diät-Limonade enthält je nach Produkt in der Regel etwa 120–180 mg Aspartam.

Praktisch gesehen entspricht der ADI-Wert der EFSA etwa 15 bis 20 Dosen Diät-Limonade pro Tag.

Eine differenziertere Perspektive für die Zukunft

Insgesamt entwickelt sich das Bild noch weiter. Die EFSA stuft Aspartam innerhalb der aktuellen Aufnahmegrenzen als sicher ein, während die WHO in ihrer Leitlinie von 2023 eine vorsichtigere Haltung gegenüber der Verwendung von künstlichen Süßstoffen als Mittel zur langfristigen Gewichtskontrolle und zur allgemeinen Gesundheit einnimmt. Gleichzeitig liefern neuere mechanistische Studien, die oft auf Tiermodellen basieren, sowie groß angelegte Beobachtungsstudien am Menschen weiterhin neue Einblicke und werfen Fragen auf, die über den reinen Kaloriengehalt hinausgehen.

Hier lässt sich vor allem festhalten, dass die Diskussion um Aspartam selten eine einfache Ja-oder-Nein-Frage ist. Es geht vielmehr um den Kontext und die Verwendung: Wie oft kommt es in der Ernährung vor, in welchen Produkten und was könnte ein regelmäßiger Konsum auf lange Sicht bedeuten? Zukünftige Forschungsarbeiten, vor allem gut gemachte Studien am Menschen, werden wichtig sein, um zu klären, ob die aktuellen Empfehlungen weiterhin passen oder mit wachsender Beweislage angepasst werden sollten.

Literaturverzeichnis
  1. Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA).
    Aspartam. EFSA; zuletzt überprüft am 28. Juni 2023. Verfügbar unter: https://www.efsa.europa.eu
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  3. Sinclair D. Neue Studie: Aspartam, ein synthetisches Dipeptid, das 200-mal süßer ist als Zucker, wird mit Herzerkrankungen und Typ-2-Diabetes in Verbindung gebracht [Internet]. X (ehemals Twitter); 15. Dez. 2025 [abgerufen am 15. Dez. 2025]. Verfügbar unter: https://x.com/davidasinclair/status/2000582793051443630
  4. Wu W, Sui W, Chen S, Guo Z, Jing X, Wang X u. a.
    Der Süßstoff Aspartam verschlimmert Arteriosklerose durch Insulin-ausgelöste Entzündungen. Cell Metab. 2025;37(5):1075–1088.e7. doi:10.1016/j.cmet.2025.01.006
  5. Debras C, Chazelas E, Sellem L, Porcher R, Druesne-Pecollo N, Esseddik Y u. a.
    Künstliche Süßstoffe und das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Ergebnisse der prospektiven NutriNet-Santé-Kohorte. BMJ. 2022;378:e071204. doi:10.1136/bmj-2022-071204 informd.
  6. EFSA-Gremium für Lebensmittelzusatzstoffe und den Lebensmitteln zugesetzte Nährstoffquellen (ANS).
    Wissenschaftliches Gutachten zur Neubewertung von Aspartam (E 951) als Lebensmittelzusatzstoff. EFSA J. 2013;11(12):3496. doi:10.2903/j.efsa.2013.3496
  7. Weltgesundheitsorganisation (WHO). Die WHO rät in einer neu veröffentlichten Leitlinie davon ab, zuckerfreie Süßstoffe zur Gewichtskontrolle zu verwenden [Internet]. Genf: WHO; 15. Mai 2023 [abgerufen 2025]. Verfügbar unter: https://www.who.int
  8. Weltgesundheitsorganisation (WHO). Gesundheitliche Auswirkungen des Konsums von zuckerfreien Süßungsmitteln: eine systematische Übersicht und Metaanalyse. Genf: Weltgesundheitsorganisation; 2022. ISBN: 978-92-4-004642-9

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